Brackweder Kino-Historie

Die Gemeinde Brackwede (heute Stadtbezirk Bielefeld-Brackwede) hatte insgesamt vier Filmtheater, die im Verlauf des großen Kinosterbens der 1960er Jahre geschlossen wurden.

Zentral-Theater, Hauptstraße 127                                          (23. Januar 1953 - 3. April 1961)

"WEHE WENN SIE LOSGELASSEN"
(Ein CCC-Farbfilm mit Peter Alexander, Bibi Johns, Ruth Stephan)
- Uraufführung: 02.10.1958, Bielefeld, Capitol -

- ab 24.10.1958, Brackwede, Zentral -

 

 

(bi) press
Heute abend, 20 Uhr, öffnet das "Zentral-Theater" in Brackwede erstmals seine Pforten. Damit ist endlich der lange gehegte Wunsch der Brackweder nach einer neuzeitlichen Filmstätte erfüllt, zugleich aber auch einem noch älteren Bedürfnis des aufstrebenden Ortes nach einem repräsentativen Festsaal genügt. Durch das frühzeitige Vorhaben der unternehmensfreudigen Besitzerin, Frau Elfriede Timmerhans, machte die Geldumwertung einen Strich, so daß der bereits weit fortgeschrittene Rohbau auf Jahre zum Erliegen kam. Nach Ueberwindung unsäglicher Schwierigkeiten konnte endlich die Finanzierung im vergangenen Jahre sichergestellt werden.

Zentral-Theater Innenraum
Zentral-Theater | Bühne zur Eröffnung

Am 24. September 1952 wurden die Arbeiten von der Firma Holzmann wieder aufgenommen, und in Anlehnung an die Entwürfe der Architekten Spittmann (Essen) und Krüger (Brackwede) vollendet der Architekt Diplom-Ingenieur Roßbach (Hannover) die innere Ausgestaltung. Der äußeren Fertigstellung des 35,65 Meter mal 18,25 Meter umfassenden Stahlbeton-Skelettbaues spielten der unwöhnlich feuchte Herbst und der früh einsetzende Winter manchen Streich. Aber die Baufirma überwand alle Tücken. Der erste Bauabschnitt ließ termingerecht über dem unterkellerten Erdgeschoß den ersten Stock erstehen und schuf somit alle Räume des Filmtheaters, dem später einmal Wohnungen aufgestockt werden sollen.

Rohbau um 1950

Ein weiter Eingang mit drei Doppeltüren öffnet sich dem Besucher, bevor er den in neutraler schwarz-weißer Farbgebung gehaltenen Kassen-Vorraum betritt. Dem anschließenden Foyer, das den Theatersaal geräumig flankiert, verleihen die roten Vorhänge und die halbindirekte Beleuchtung einladende Wärme. Getrennte Zugänge, führen in Loge, Sperrsitz und Parkett. Die Logenplätze weisen mattgelbe, alle übrigen Sitze lichtblaue Hochpolsterung auf, die mit einem bewährten Spezial-Kunstleder ausgeführt ist. Sie vollendet duch die Formschönheit und Farbzusammenstellung das Gesamtbild des Theaters. Ein weiter Reihenabstand und breite Armlehnen gestatten ein bequemes Sitzen. Das starke Gefälle ermöglicht eine gute Sicht von jedem der insgesamt 590 Plätze. Beinamputierten stehen besondere Seitenplätze zur Verfügung. Die teils silbergraue, teils goldgelbe Tönung strahlt in Verbindung mit einem intensiven Blau eine festliche Stimmung aus, die durch das indirekte Licht noch verstärkt wird. Eine einzigartige Note gewinnt der Saal durch die erstmals angewandte Architektonik der völlig unverkleideten Stahlbinder und Stützen, die - unterstrichen durch die Farbgebung - eine frappierend glückliche Aufteilung der Wand-und Deckenflächen erzielen.

Bestuhlungsplan vom 28. September 1953

Die Akustik in diesem Kinoraum ist einwandfrei geregelt durch Homaton-Akustikplatten der Firma Fritz Homann AG, Dissen; es handelt sich hier um hundertfach bewährte Schallschluckplatten aus feinstem Holzfaserisolierstoff zur Regelung der Hörsamkeit und Beseitigung des Lärms, die außerdem eine architektonisch besonders schöne Wirkung zeigen. Ein goldfarbener Vorhang trennt den Saal von der Bühne, unter der sich ein Orchesterraum efindet. Das Ausmaß der Bühne sowie die Einrichtung von Künstlergarderoben schaffen alle Vorbedingungen für kulturelle und offizielle Veranstaltungen in diesem Kinobau, der seinen Namen "Zentral-Theater" nicht allein seiner Lage im Ortsmittelpunkt wegen tragen, sondern zugleich ein Kulturzentrum Brackwedes werden möchte. Warmluftheizung und ausgiebige Abluftanlagen machen den Aufenthalt in dem "Festsaal" zu jeder Tageszeit behaglich. Selbstverständlich entsprechen auch die Tonfilmapparatur, die Einrichtung der großen Bildfläche und die Vorsorge für eine einwandfreie Akustik dem neuesten Stand der Technik.

Zentral-Theater (1953)
Zentral-Theater rückseitig aus der Luft (1956)
Zentral-Theater mit Vorderhaus (1957)
Zentral-Theater mit Kiosk
Zentral-Theater | ca. 1960
Zentral-Theater | ca. 1962

 

 

Eröffnungs-Vorstellung
heute, Freitag, den 23. Januar 1953, 20.00 Uhr


Täglich 15.00, 17.30 u. 20.00 Uhr,

Sonnabend auch 22.15 Uhr
Vorverk. täglich von 11 bis 12 Uhr an der Kasse.

Tel. 1285

Westfälische4 Zeitung | 13. März 1953
Westfälische Zeitung | 27. März 1953
Westfälische Zeitung | 3.12.1954
Westfälische Zeitung | 1. Mai 1953
Westfälische Zeitung | 3. Juli 1953
original 35 mm-Filmkopie im MAB-Archiv
Zarah Leander-Gastspiel am 11. Januar 1958
Zarah Leander | 1958

 

 

In der Bundesrepublik, wo sie bisher meistens als Stargast mit Schlagerparaden auf Tourneen war, wurde sie jetzt von den wenigen Spitzenvarietés, die es noch gab, für eine hohe Gage engagiert. Sechzigmal stand sie dadurch jeweils pro Monat auf den Brettern, die ihr die Welt bedeuteten.

 

Kinobesitzerin Elfriede Timmerhans (l.) mit Thea Metzger (r.)
Elisabeth Scholz, Filmvorführerin (l.) mit Thea Metzger (r.)

vor dem Schaukastendes soeben eröffneten

ZENTRAL-Filmtheaters.

(Filmplakat im Schaukasten: ZWEI MENSCHEN, Deutsche Film Hansa, 2711 m = 99 Minuten, schwarz-weiß, FSK ab 12 Jahren, ffr., Premiere: 13.11.1952 Darsteller: Beppo Brem, Helmuth Schneider, Margarete Haagen, Regie: Paul May)

Befähigungszeugnis als Filmvorführer
Vorführschein Elisabeth Scholz (Kürschner)
Vorführschein Hermann Kürschner

Hermann Kürschner & Elisabeth Scholz, Filmvorführer an den

Frieseke & Höpfner FH 66-Projektoren

Anzeige 1. April 1961
Freie Presse am 2. April 1961

Meldung aus "Brackweder Heimatblätter" 3/1961

Überbleibsel des "Zentral-Theaters"

ehemaliges Zentral-Theater | 1983
ehemaliges Zentral-Theater | Juli 2019
ehemaliges Zentral-Theater | Juli 2019
ehemaliger Kinogang | restauriert im März 2023
Original erhaltene Aussentreppe | Juni 2022
Elfriede Timmerhans | 80. Geburtstag 1990

mit ihren ehemaligen Mitarbeitern (v.l.):

Manfred Strötzet (Kassierer), Leonie Grafl (Platzanweiserin),            Ewald Kürbis (Vorführer)

Ex-Vorführer Ewald Kürbis & Frank Becker | ca. 1988

Kinotechnik Rudolf Höcker KG

Frankotyp-Platte

 

Rudolf Höcker war einige Jahre mit Elfriede Timmerhans verheiratet und betrieb im Gebäude des "Zentral"-Theaters eine Firma für kinotechnische Ausstattung mit Projektoren der Firma "Frieseke & Höpfner".

Techniker war Ruprecht Grams (SS-Hauptsturmführer | 1914-1993) aus Brackwede.

Kinotechnik Rudolf Höcker KG
Rudolf Höcker KG | Werkzeugset
Anzeige vom 15.10.1954

Kinoanzeigen

Musikfilme im "Zentral"-Theater

Westfälische Zeitung | 3.12.1954
Westfälische Zeitung | 31.12.1954
Trailer zum Film "Gitarren der Liebe"
Gitarren der Liebe 31-12-1954.avi
Video-Datei [31.3 MB]
Westfälische Zeitung | 21.10.1955
Westfälische Zeitung | 14.12.1956
Westfälische Zeitung | 7.3.1958
Westfälische Zeitung | 25.4.1958
Anzeige vom 24.10.1958
Westfälische Zeitung | 23.1.1959
Westfälische Zeitung | 12.6.1959
Westfälische Zeitung | 9.10.1959
Westfälische Zeitung | 14.6.1960